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21. Jahrhundert: Psalm in tiefstem Schmerz

Bild: Nikodemus, der sich in seinem Ringen um die Wahrheit nachts an Christus wendet. Aufnahme aus dem Gottesdienst in Lindow am 16.03.2025

 

 

 

Seit der höchste amerikanische Staatsmann meint, der Ukraine einen Waffenstillstand nach seinen und russischen Bedingungen verordnen zu dürfen, sind die russischen Angriffe auf die Ukraine noch brutaler geworden, höre ich. Ich möchte doch eigentlich glauben, der feuerspeiende Drache liege schon im Sterben und ziehe nur noch seine letzten Register. Doch das wollte ich auch schon vor drei Jahren glauben.

 

Heute früh fand ich folgendes Gedicht von Olya Bilchuk. Es bewegt mich. Es treibt mich um. Sie lässt ihre Leser darin an ihrem überwältigenden Schmerz teilhaben, wie an auch ihrem Ringen mit dem, was sie in guten Zeiten als Christin gelernt hat.  Wohin mit dem entsetzlichen Schmerz über den Verlust so vieler junger, tüchtiger, aufrechter Menschen?

 

Ich kann es mir nicht anders vorstellen, als dass Gott diesen ihren modernen Psalm wohlwollend entgegen nimmt. Ich kann es mir nicht anders vorstellen, als dass Gott unsäglichen Schmerz empfindet darüber, dass den von Russland überfallenen Ukrainern immer noch nicht in ausreichendem Maße zu Hilfe geeilt wird und deshalb diejenigen fallen, die das furchtbare Unrecht unter Einsatz ihres Lebens aufzuhalten versuchen.

 

 

Viele Friedhöfe gesehen habend

Und vor Gott auf den Knien verharrend

Empfinde ich dieser Mütter Schmerz,

Denen leider der Krieg den Sohn hat genommen.

 

Ich eile zum Herrn mit meinen Gedanken,

Steh im Gebet vor den Ikonen.

Ich bete zu Ihm, und vergeh in Gedanken mich

Und unter Tränen verfluch ich die Feinde.

 

Ich weiß nicht. Ach, dass dieser Schmerz nur vergehe …

Verwünsche sie noch bis zum siebenten Kniefall.

Nimm an mein Gebet und vergib mir dafür …

Verfluchen ist Sünde! Ich soll doch nicht fluchen.

 

Ich leg die Gedanken auf den Altar,

Erleicht´re die Seele mit meinen Gebeten.

Bitte Gott um Barmherzigkeit, als eine Gabe.

Umbete die, die nicht mehr unter uns sind.

 

Olya Bilchuk

Februar 2025

 

 

 

 

Olya Bilchuk lebt im Gebiet von Ternopil. Auf dem Foto seht Ihr sie vor der Burg von Luzk. Auf meine Frage, ob sie meinen Lesern noch eine Botschaft mitgeben möchte, antwortet sie mir: "Ich schreibe über das, was mich innerlich zutiefst bewegt." 

 

Ich möchte mir das aufrichtige Gebet der Dichterin zum Vorbild nehmen. Die Weltgeschichte lehrt uns leider, dass wir aus manchen Situationen nicht herauskommen, ohne schuldig zu werden. Denn mich zurücklehnen und abwarten, dass Andere die Probleme lösen, die mir vor die Füße geworfen werden, kommt unterlassener Hilfeleistung gleich.

 

Ich bitte Gott um Seinen starken Beistand für all die Menschen, deren Sohn oder Tochter, Vater oder Mutter nicht mehr aus diesem Krieg zurückkehren werden. Ich bitte Ihn darum, dass wir nicht gleichgültig werden, sondern selbst bereit sind, ihnen beizustehen.

 

 

 

 

Відвідавши багато цвинтарів.

І ставши перед Богом на коліна.

Я відчуваю біль тих матерів.

В котрих війна, на жаль, забрала сина.

 

До Господа думками поспішу.

Стою в молитві перед образами.

Молю до нього, а в думках грішу.

І ворогів кляну я зі сльозами.

 

Не знаю тільки чи той біль мине

Я їх клену до сьомого коліна.

Прийми молитву і пробач за те ...

Клясти, то гріх ! Грішити не повинна.

 

Думки свої кладу я на вівтар.

І так звільняю душу молитвами.

У Бога милості прошу, як дар.

Молюсь за тих, кого нема між нами.

 

Лютий 2025.

Olya Bilchuk

 

 

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